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Bitaxe übertakten: Sicherer Overclocking-Guide für mehr Hashrate

18. Mai 2026 · 5 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 22. August 2026

Bitaxe übertakten

Übertakten heißt beim Bitaxe: Du erhöhst die Taktfrequenz des ASIC und – wenn nötig – seine Kernspannung. Beides stellst du in AxeOS im Browser ein, beides ist reversibel, und beides kostet dich Effizienz. Dieser Guide nennt die Werte, mit denen du startest, die Schrittweiten, die sich bewährt haben, und die Temperaturgrenzen, an denen Schluss ist.

Die wichtigste Zahl vorweg: Der BM1370 arbeitet in einem Spannungsfenster von 0,65 bis 1,30 Volt. 1300 mV ist keine Empfehlung, sondern die Obergrenze der Spezifikation – wer darüber geht, verlässt den definierten Bereich.

Startwerte: Womit du anfängst

Die Werkseinstellung ist der Ausgangspunkt, nicht das Limit. Diese Kombinationen laufen bei ordentlicher Kühlung erfahrungsgemäß stabil – jeder Chip ist aber ein Einzelstück, deshalb sind das Startpunkte zum Nachmessen, keine Garantien:

Gerät Ab Werk Moderat Ambitioniert
Bitaxe Gamma 601, Copperzilla, Nerdaxe Gamma
1 × BM1370
525 MHz / 1150 mV
~1,2 TH/s
575 MHz / 1200 mV
~1,35 TH/s
625 MHz / 1250 mV
~1,5 TH/s
NerdQaxe++, Copper Pro, Hydro
4 × BM1370
600 MHz / 1150 mV
~4,8 TH/s
700 MHz / 1175 mV
~5,6 TH/s
750 MHz / 1225 mV
~6,5 TH/s

Für Bitaxe GT, Supra Hex 702, NerdQX und NerdOctaxe gilt dieselbe Methode, aber ein eigener Ausgangspunkt: Lies die Werkseinstellung in AxeOS ab und arbeite dich von dort in denselben Schritten nach oben. Je mehr Chips auf einem Board sitzen, desto enger wird es thermisch – ein NerdOctaxe verträgt weniger Übermut als ein Einzelchip-Board.

Was beim Übertakten wirklich passiert

Die Hashrate steigt praktisch linear mit der Frequenz: 10 % mehr MHz ergeben rund 10 % mehr Hashrate. Die Leistungsaufnahme steigt bei reiner Frequenzerhöhung ebenfalls ungefähr linear – solange die Spannung gleich bleibt.

Genau hier liegt der Hebel. Die Leistungsaufnahme wächst mit dem Quadrat der Spannung. 10 % mehr Spannung bedeuten rund 21 % mehr Verlustleistung, und die kommt vollständig als Wärme heraus. Deshalb lautet die Reihenfolge immer: erst Frequenz erhöhen, Spannung nur nachziehen, wenn das Gerät ohne sie nicht mehr stabil läuft. Wer zuerst an der Spannung dreht, heizt sich den Weg nach oben zu, bevor er ihn gegangen ist.

Der Preis ist die Effizienz. Ab Werk sind die Geräte auf einen guten Kompromiss aus Hashrate und Verbrauch eingestellt; jedes Megahertz darüber kostet mehr Joule pro Terahash. Übertakten lohnt sich, wenn dir Hashrate mehr wert ist als Effizienz – nicht umgekehrt.

Vorher: drei Dinge prüfen

Übertakten deckt Schwächen im Setup gnadenlos auf. Wer diese drei Punkte vorher abhakt, spart sich die halbe Fehlersuche:

  • Firmware aktuell. Ältere AxeOS-Versionen regeln anders und zeigen teils andere Werte an. Mit unserem Web-Flasher bist du in zwei Minuten auf dem aktuellen Stand, ohne WLAN und Pool neu eintragen zu müssen.
  • Kühlung sitzt. Kühlkörper fest, Wärmeleitpaste vorhanden, Lüfter läuft, Luft kann frei zirkulieren. Was hier wirklich hilft, steht im Ratgeber Kühlung und Lüfter.
  • Netzteil hat Reserve. Ein Netzteil am Anschlag bricht unter Lastspitzen ein – und die kommen beim Übertakten. Welche Werte dein Gerät braucht, steht im Netzteil-Ratgeber.

Dann die Baseline messen: Lass das Gerät mit Werkseinstellungen mindestens zwei Stunden laufen und notiere Hashrate, ASIC-Temperatur, VR-Temperatur und Hashrate Error. Ohne diesen Vergleichswert kannst du später nicht beurteilen, ob eine Änderung etwas gebracht hat.

Schritt für Schritt übertakten

1. Frequenz um 25 MHz erhöhen

In AxeOS unter Settings die Core Frequency um 25 MHz anheben, speichern, Gerät neu starten. 25 MHz sind klein genug, dass du bei Instabilität sofort weißt, welcher Schritt zu viel war.

2. Mindestens 30 Minuten beobachten

Nach dem Neustart braucht das Gerät ein paar Minuten, bis sich die angezeigte Hashrate eingependelt hat. Danach schaust du auf drei Werte: Ist die Hashrate wie erwartet gestiegen? Bleiben die Temperaturen im Rahmen? Steigt der Hashrate Error?

Ein leicht erhöhter Fehlerwert ist normal. Springt er deutlich nach oben oder häufen sich abgelehnte Shares, war der Schritt zu groß – dann brauchst du entweder mehr Spannung oder du bist am Limit.

3. Spannung nur bei Bedarf, in 20-mV-Schritten

Bleibt das Gerät bei der neuen Frequenz nicht stabil, erhöhst du die Core Voltage um 20 mV – nicht mehr. Danach wieder beobachten. Erreichst du 1300 mV, ist die Fahnenstange erreicht: Das ist die Obergrenze des Spannungsfensters, und mehr Spannung bringt jenseits davon ohnehin nur noch Wärme.

4. Wiederholen, bis es kippt

Frequenz hoch, beobachten, bei Bedarf Spannung nach – so arbeitest du dich hoch, bis das Gerät nicht mehr stabil läuft oder eine Temperaturgrenze erreicht ist. Dann gehst du einen Schritt zurück und bleibst dort.

5. 24 Stunden Langzeittest

Ein Setting, das eine Stunde hält, ist nicht stabil – es ist nur noch nicht abgestürzt. Lass die gefundene Einstellung einen vollen Tag laufen, inklusive der wärmsten Stunden. Erst wenn Hashrate und Fehlerwert über 24 Stunden ruhig bleiben, ist das dein neues Standard-Setting.

Notiere jedes Setting mit Datum, Frequenz, Spannung, Hashrate und Temperaturen. Nach dem dritten Durchgang weiß sonst niemand mehr, welche Kombination die stabile war – und ein Werks-Flash setzt die Einstellungen ohnehin zurück.

Die Temperaturgrenzen

Hier hört das Ausprobieren auf. Diese Werte sind keine Empfehlungen, sondern die Grenzen, an denen die Hardware reagiert:

Wert Grenze Was passiert
ASIC-Temperatur unter 65 °C Zielbereich für Dauerbetrieb – hier läuft das Gerät jahrelang
ASIC-Temperatur ab ~70 °C AxeOS senkt die Frequenz selbstständig; deine Hashrate sinkt trotz höherem Takt
ASIC-Temperatur Mitte 70er Schutzabschaltung: Der Chip wird im Reset gehalten und die Kernspannung auf null gezogen, bis er wieder unter etwa 45 °C liegt
VR-Temperatur über 85 °C Kritisch – dauerhaft über einer Minute ist ein Warnzustand

Der wichtigste Punkt daran wird fast immer übersehen: Nicht der ASIC ist das empfindlichste Bauteil, sondern der Spannungswandler daneben. Wer beim Tunen nur auf die ASIC-Temperatur schaut, grillt den Wandler, lange bevor der Chip überhaupt zu drosseln beginnt. AxeOS zeigt beide Werte – schau auf beide.

Ab etwa 800 MHz auf einem Einzelchip-Board lohnen sich kleine Kühlkörper auf den MOSFETs der Spannungsversorgung. Ohne die ist die VR-Temperatur die Grenze, nicht der Chip.

Und der billigste Hebel überhaupt: die Raumtemperatur. Dieselbe Einstellung, die im Februar bei 19 °C Raumtemperatur ruhig läuft, kann im Juli bei 28 °C in die Drosselung laufen. Wer im Winter übertaktet, sollte im Sommer noch einmal nachsehen.

Wenn es nicht am Takt liegt

Nicht jedes Problem nach dem Übertakten ist ein Übertaktungsproblem. Drei Muster, die anders aussehen als sie sind:

  • Neustarts unter Last, Temperaturen unauffällig: Das ist fast immer die Stromversorgung. Ein Netzteil an der Grenze bricht kurz ein, das Gerät startet neu – die Temperatur bleibt dabei völlig normal.
  • Hashrate sinkt, obwohl der Takt steht: Dann drosselt AxeOS wegen Temperatur. Nicht die Frequenz weiter erhöhen, sondern kühlen.
  • Alles stabil, aber die Effizienz ist schlechter geworden: Das ist kein Fehler, das ist der Preis. Prüf mit dem Mining-Rechner, ob dir die zusätzliche Hashrate die zusätzlichen Stromkosten wert ist.

Wann ein größeres Gerät die bessere Antwort ist

Realistisch holst du aus einem Einzelchip-Board rund 20 bis 25 Prozent zusätzliche Hashrate – von etwa 1,2 auf etwa 1,5 TH/s. Das ist ein spürbarer Sprung, aber er ändert die Größenordnung nicht.

Wenn du deutlich mehr willst, ist der Wechsel auf ein größeres Gerät der ehrlichere Weg: Ein NerdQaxe++ liefert ab Werk das Vierfache eines übertakteten Gamma – bei besserer Effizienz, weil er die Leistung nicht aus der Spannung presst, sondern aus der Anzahl der Chips. Der Miner-Vergleich stellt die Geräte nebeneinander.

Übertakten lohnt sich also dort, wo du das vorhandene Gerät ausreizen willst – nicht als Ersatz für die nächste Geräteklasse.

Verliere ich durch Übertakten die Garantie?

Nein. Frequenz und Spannung sind in AxeOS vorgesehene Einstellungen, und du kannst jederzeit auf die Werkswerte zurück. Anders sieht es aus, wenn ein Gerät durch dauerhaften Betrieb weit außerhalb der Spezifikation Schaden nimmt – deshalb die Obergrenze von 1300 mV ernst nehmen und die Temperaturen im Blick behalten.

Wie viel mehr Hashrate ist realistisch?

Bei einem Einzelchip-Board etwa 20 bis 25 Prozent: von rund 1,2 TH/s ab Werk auf rund 1,5 TH/s bei 625 MHz und 1250 mV. Beim NerdQaxe++ sind es von 4,8 auf etwa 6,5 TH/s. Mehr geht mit besserer Kühlung, aber die Effizienz wird dabei mit jedem Schritt schlechter.

Welche Temperatur ist noch in Ordnung?

Für Dauerbetrieb sollte die ASIC-Temperatur unter 65 °C bleiben. Ab etwa 70 °C senkt AxeOS die Frequenz selbst, in den mittleren 70ern schaltet die Schutzfunktion den Chip ab, bis er wieder unter etwa 45 °C liegt. Mindestens genauso wichtig: Die VR-Temperatur darf nicht dauerhaft über 85 °C liegen.

Wie stelle ich die Werkseinstellungen wieder her?

In AxeOS Frequenz und Spannung wieder auf die Ausgangswerte setzen und neu starten. Weißt du die nicht mehr, hilft eine Werks-Installation mit unserem Web-Flasher – dabei wird allerdings auch die Netzwerk- und Pool-Konfiguration zurückgesetzt.

Kann Übertakten die Lebensdauer verkürzen?

Ja, wenn es dauerhaft mit hoher Spannung und hohen Temperaturen betrieben wird. Wärme und Spannung sind die beiden Faktoren, die Halbleiter altern lassen. Ein moderat übertaktetes Gerät, das unter 65 °C bleibt, hat dagegen keine nennenswert kürzere Lebenserwartung als eines mit Werkseinstellungen.

Lohnt sich Übertakten finanziell?

Nein – die Effizienz wird schlechter, du zahlst also mehr Strom pro Terahash. Was du kaufst, ist ein größerer Anteil an der Gesamt-Hashrate des Netzwerks, also eine etwas höhere Trefferchance. Wie klein die bleibt, rechnet der Artikel Wie wahrscheinlich ist ein Block? für jedes Modell durch.

Muss ich nach jedem Firmware-Update neu übertakten?

Nicht, wenn du über den Web-Flasher mit gesetztem Häkchen „Konfiguration behalten" aktualisierst – dann bleiben deine Einstellungen erhalten. Nach einer Werks-Installation musst du sie neu eintragen. Trotzdem lohnt sich nach jedem Update ein prüfender Blick: Regelverhalten und Anzeigen können sich zwischen Versionen ändern.

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